Das Dommuseum setzt auch 2016 die Reihe der Kabinettausstellungen in der Kunst- und Wunderkammer fort. Die Reihe stellt Künstler/innen vor, die noch nie in Salzburg oder Österreich zu sehen waren und die inhaltlich auf die Kunst- und Wunderkammer Bezug nehmen. Bislang kamen die Interventionen unter anderem von Jonathan Meese, Bethan Huws oder Latifa Echakhch. In diesem Jahr gestaltet Marcel Odenbach die Installation in einem der barocken Vitrinenschränke.

 

Marcel Odenbach

Marcel Odenbach gehört zu den subtilsten, vielseitigsten und geistreichsten Künstlern der Gegenwart. Seit den 1970er Jahren wurde er als Vorreiter der Videokunst bekannt, nach der Jahrtausendwende auch durch seine Collagen und Zeichnungen. Die Installation in der Kunst- und Wunderkammer zeigt ihn zudem als Sammler.

Odenbachs Filme arbeiten ebenso wie die Collagen mit gefundenem und eigenem Material. Er wirft einen persönlichen und politischen, ironischen und kritischen Blick auf gesellschaftliche und zeitgeschichtliche Themen, auf die Rolle des Individuums und des Künstlers. So beschäftigte sich die Aktion „Das große Mißverständnis“ (1978) mit der Gattung Performance und ihrem Publikum. Der Film „Niemand ist mehr dort, wo er hin wollte“ (1990) setzte sich mit den fremdenfeindlichen Ausschreitungen nach der deutschen Wiedervereinigung auseinander. In der Reihe der Interventionen zeitgenössischer Künstler im Freud Museum London schuf Marcel Odenbach 2010 die Collage „Probeliegen“.

Marcel Odenbach unterrichtete an der Rijksakademie in Amsterdam, der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und der Kunsthochschule für Medien Köln. 2010 wurde er als Professor an die Kunstakademie Düsseldorf berufen. In den siebziger Jahren bildete er zusammen mit Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch die Gruppe ATV (Alternativ TV). Seit 2009 teilt er sich mit dem deutschen Künstler Carsten Höller ein Haus in Cape Coast in Ghana.

 

Sprünge in der Wahrnehmung

Afrika bildet seit fast zwei Jahrzehnten einen thematischen Schwerpunkt in Odenbachs Werk. Die Installation „Sprünge in der Wahrnehmung“ nimmt die Unterschiede im gegenseitigen Verständnis in den Blick. Die Bronzefigur eines Schwarzen aus der Werkstätte Hagenauer in Wien führt das europäische Bild von Afrika in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor. Ein Blechteller mit dem Porträt Nelson Mandelas erinnert an das Ende der Apartheid in Südafrika. Sieben Taschentücher tragen das Porträt des abessinischen Kaisers Haile Selassie (2006), der, da das heutige Äthiopien nie Kolonie war, für das schwarze Selbstbewusstsein eine große Bedeutung hatte. Zwei Schallplatten, “Hazy Shade of Criminal” von Public Enemy und „Ain´t that a bitch” von Johnny Guitar Watson, leiten über zur afroamerikanischen Pop-Kultur der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, zu Funk, Rap, Sexualität und Politik.

Wie schon in London nimmt Marcel Odenbach so direkt auf den Ort Bezug. Die Wunderkammer enthält afrikanische Alltagsgeräte, die die Missionare des 20. Jahrhunderts sowohl wegen ihres exotischen Charakters als auch wegen ihrer technologischen Rückständigkeit gesammelt hatten.

 

 

Künstlergespräch
Sa., 23.7. | 16.30 Uhr
Mit Marcel Odenbach und Hildegund Amanshauser, Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg
Moderation: Dr. Peter Keller, Direktor Dommuseum Salzburg

Treffpunkt: Kunst-und Wunderkammer

Im Rahmen des Festes zur Festspieleröffnung 2016
Kostenlose Einlasskarten ab 9.7. an der Tageskasse der Salzburger Festspiele

 

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