Die fünfzehn Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber (um 1674) zählen zu den eindrucksvollsten Schöpfungen barocker Musik.

Das Rupertus Blatt berichtet in seiner Ausgabe 12-2019 über das Konzert vom 14. März im DomQuartier als „musikalische Sternstunde“. Hier können Sie den gesamten Artikel lesen: „Rosenkranzsonaten: Eine musikalische Sternstunde“

Die Rosenkranzsonaten bilden ein faszinierendes zyklisches Werk und nehmen durch den Einsatz von vierzehn verschiedenen Violin-Stimmungen (Skordaturen) eine einmalige Stellung in der Geschichte des Violinspiels ein.

Jeder Sonate ist ein Kupferstich in Form eines Medaillons vorangestellt, der ein Ereignis aus dem Leben Marias und ihres Sohnes Jesus Christus abbildet. Biber entnahm die Bilder einem Rosenkranz-Bruderschaftszettel und fügte sie in die sorgfältig geschriebene Widmungshandschrift für seinen Dienstherrn, Fürsterzbischof Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg (reg. 1668-1687), ein.

Jede Sonate lässt beim Hören innere Bilder entstehen.

So greift das Lamento der Sonata VI die Situation kurz vor der Gefangennahme Jesu auf. Musikalisch wird „Angst“ durch absteigende Chromatik, ungewöhnliche harmonische Schritte und durch wimmerndes, flehendes Bogen-Vibrato erzeugt. Am Beginn der Sonata X erklingt zur „Kreuzigung“ ein kraftvoll punktierter Rhythmus, dessen Energie sich in Verbindung mit drei- und vierstimmigen Akkorden noch steigert. Die unerbittliche Bewegung setzt nur einen Moment aus, in dem die musikalisch-symbolische Kreuzfigur mit vier gleich langen Noten erklingt.

Im Mittelpunkt jeder Rosenkranzsonate stehen Variationen.

Sie sind mit dem Rhythmus und Metrum von Tanzsätzen verbunden und beruhen auf liedhaften Melodien. Die Variationen folgen dem Aufbau einer inneren Dynamik und der daraus resultierenden Bewegung durch Steigerung und Zurücknahme. Als Ausdrucksmittel setzt Biber schroffe Kontraste in den Variationen der Sonaten VII und X, der „Geißelung“ und „Kreuzigung“ ein.

Rosenkranzsonate XIII

Rosenkranzsonate X

Der Passacaglia für Violine solo wurde im Autograph eine lavierte Federzeichnung vorangestellt, die ein Kind abbildet, das von einem Engel an die Hand genommen wird. In Verbindung mit dem Rosenkranzgebet ist der trostvolle Gedanke an den Schutzengel naheliegend, der den Menschen beschützend auf seinem Lebensweg ans Ziel führt.

Federzeichnung Schutzengel Passacaglia

Annegret Siedel spielt mit ihrem Ensemble Bell’Arte am 14. März um 18 Uhr der Fastenzeit entsprechend den „Schmerzhaften Rosenkranz“ (Sonata VI-X) aus Bibers „Rosenkranzsonaten“ im Rittersaal der Residenz.

 

Portrait von Heinrich Ignaz Franz Biber

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