Maria und die Apostel beim Pfingstfest, um 1520, Holz, farbig gefasst

Maria und die Apostel beim Pfingstfest

Am Pfingsttag, das heißt am 50. Tag nach Ostern, habe ein Brausen gleich einem heftigen Sturm das ganze Haus, in dem alle waren, erfüllt und Zungen wie von Feuer ließen sich auf jeden von ihnen nieder. „Alle wurden vom Hl. Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“, berichtet die Apostelgeschichte (Apg 2, 1-4).

Ein 500 Jahre altes Holzrelief im Dommuseum stellt dieses Pfingstereignis dar: Inmitten eines durch Maßwerkfenster gegliederten Innenraums sitzt Maria mit der aufgeschlagenen Hl. Schrift auf ihrem Schoß. Seitlich gruppieren sich die 12 Apostel, die mit unterschiedlichen Gebärden ihre Ergriffenheit zum Ausdruck bringen. Jeder zweite von ihnen hält ein Buch – das Evangelium zu verkünden ist ihr Auftrag.
Leider sind die ursprünglichen „Zungen“ nicht mehr erhalten, und bei der letzten Restaurierung wurden auch die in neuerer Zeit grob gearbeiteten Feuerzungen auf den Köpfen der Apostel entfernt. Nicht original sind auch das obere Abschlussbrett und die Heilig-Geist-Taube.
Im Pfingstbericht ist nur von den Aposteln die Rede, dennoch nahm man an, dass auch Maria, die zur Urgemeinde gehörte, anwesend war. Schon frühchristliche Darstellungen zeigen sie inmitten der Apostel, nur in ottonischer Zeit und bis zur Mitte des 12. Jahrhundert fehlt sie. Als Mitte, um die sich die Apostel versammeln, steht Maria zu Pfingsten, dem Gründungsfest der Kirche, auch für Ecclesia (Personifikation der Kirche).
Die möglicherweise in Kärnten um 1520 entstandene Tafel aus dem Pfarrhof in Zederhaus dürfte der Mittelteil eines kleinen Altars gewesen sein. Zwei zugehörige Flügel mit den hll. Leonhard und Ägidius haben sich in Lungauer Privatbesitz erhalten.

 

Pfingsten in Beispielen der Druckgrafik

Zwei vorübergehend im Dommuseum ausgestellte Bücher aus der Diözesanbibliothek Salzburg enthalten weitere Pfingstdarstellungen:

 

Ein Holzschnitt findet sich im „Sommertheyl der Postill oder Predigbuchs evangelischer warheyt und rechter Catholischer Lehr, über die Evangelie“ (Mainz 1554). Autor des Predigtbuchs war der Franziskaner und Mainzer Domprediger Johann Wild (1495–1554), einer der besten Prediger seiner Zeit.

Ein Römisches Messbuch zeigt auf zwei gegenüberliegenden Seiten das Pfingstereignis und als Texteinfassung Szenen aus der Apostelgeschichte, wahrscheinlich von David Tscherning (ca. 1615–1691) in Kupfer gestochen.Der Hl. Geist ergießt sich in Form von Feuerzungen auf Maria und die Apostel, die ihre innere Erregung im Moment ihrer Verwandlung zum Ausdruck bringen. Die den Text aus der Apostelgeschichte rahmenden Kupferstiche erzählen vom Wirken des Hl. Geistes, der die Apostel ermutigte, die christliche Botschaft zu verbreiten und dafür sogar den Märtyrertod auf sich zu nehmen.
Das Missale Romanum wurde im Auftrag Fürsterzbischof Max Gandolphs von Kuenburg 1671 bei Melchior Hahn in Salzburg gedruckt, nur wenig später, nachdem Karel Škréta das Pfingstbild für einen Kapellenaltar im Salzburger Dom geliefert hatte (1668/1669).

 

Text: Dr. Reinhard Gratz

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