Das DomQuartier als Herzstück des UNESCO-Welterbes Salzburg

Im Jahr 1972 wurde von der Generalkonferenz der UNESCO das Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschheit verabschiedet.

Ein Erbe der gesamten Menschheit

Die Welterbekonvention wurde aus dem Bewusstsein auf den Weg gebracht, dass es Denkmäler, Bauten oder Orte auf der ganzen Welt gibt, deren Erhalt im Interesse der gesamten Menschheit ist, da sie einzigartige Zeugnisse der Menschheits-, Natur- und Kulturgeschichte darstellen. Um diese für kommende Generationen zu bewahren, wurde 1972 ein völkerrechtliches Instrument geschaffen, das die Basis für die internationale Zusammenarbeit zum Schutz dieser Stätten bildet: die Welterbekonvention

Salzburg und Schönbrunn: die ersten Welterbestätten in Österreich

1996 konnte Österreich seine ersten Einschreibungen in die internationale Welterbeliste feiern: Seit damals gehören das Historische Zentrum der Stadt Salzburg und Schloss und Gärten von Schönbrunn offiziell zum Erbe der gesamten Menschheit.

Welterbe kann nicht jeder werden

Die UNESCO zeichnet Stätten mit dem Welterbesiegel aus, die einen sogenannten außergewöhnlichen universellen Wert darstellen. Sie sind außergewöhnliche Zeugnisse vergangener Kulturen, materielle Spuren von Begegnungen und Austausch, künstlerische Meisterwerke oder einzigartige Naturlandschaften. 10 Kriterien für Welterbewürdigkeit hat die UNESCO definiert. Davon beschreiben 4 die Qualitäten von Kulturerbestätten.

Das DomQuartier Salzburg aus der Vogelperspektive

 

Der außergewöhnliche universelle Wert von Salzburg

Salzburg konnte gleich mit 2 dieser Kriterien überzeugen:

(ii) Salzburg spielte eine zentrale Rolle im Austausch zwischen der italienischen und deutschen Kultur, der zu einer Blütezeit beider Kulturen sowie zu einem lang anhaltenden Austausch zwischen ihnen geführt hat.

(iv) Salzburg ist ein außerordentlich wichtiges Beispiel für einen europäischen kirchlichen Stadtstaat, der sich durch eine beachtliche Anzahl von herausragenden und sehr gut erhaltenen weltlichen und kirchlichen Bauten verschiedener Epochen auszeichnet, ausgehend vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.

Das DomQuartier als Herzstück des Welterbes Salzburg

Innenansicht des Doms, auf der Orgel rechts vor dem Altar hat einst W.A. Mozart gespielt

Das heutige DomQuartier war das Zentrum dieses weltlichen und geistlichen Herrschaftsbereichs. Es war zugleich die Wirkungsstätte jenes Mannes, der das italienische Flair nach Salzburg brachte und neben Prunkbauten wie der Residenz das Design der Stadt überformte: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Wolf Dietrich hatte viele Jahre seiner Jugend in Rom verbracht und unter den Fittichen seines Onkels, des mächtigen Kardinals Altemps, die Großzügigkeit und Sinnlichkeit des römischen Barock kennen- und lieben gelernt. Kaum im Amt begann er, das Zentrum seiner Residenzstadt umzugestalten und holte italienische Architekten und Künstler aller Gattungen nach Salzburg. Mit Andrea Bertoletto nahm er zunächst das Neugebäude (in dem heute das Salzburg Museum untergebracht ist) in Angriff.

Ab dieser Zeit wirkten in Salzburg eine ganze Reihe von Bauleuten, die aus dem Gebiet des Comer Sees stammten, die sogenannten Maestri Comacini. Mit Elia Castello als Hofbaumeister wandte sich Wolf Dietrich ab 1597 der Um- und Neugestaltung der Residenz zu. Dafür kaufte er Häuser auf und ließ sie abbrechen.

Auf die Umsetzung hatte der Nachfolger des berühmten Andrea Palladio, Vicenzo Scamozzi, wesentlichen Einfluss, der für Wolf Dietrich auch einen neuen Dom plante, der allerdings nicht umgesetzt wurde. Nach dem Brand des romanischen Doms 1598 hatte Wolf Dietrich nach misslungenen Sanierungsversuchen die Dom-Ruine und rundherum weitere Gebäude sowie Teile des Domklosters am Kapitelplatz niederreißen lassen, um Platz für einen neuen Dombau zu schaffen. Diesen durfte dann allerdings nicht Scamozzi, sondern unter Wolf Dietrichs Nachfolger, Fürsterzbischof Marcus Sitticus, Santino Solari nach eigenen Entwürfen und in etwas kleineren Dimensionen errichten.


Die Zusammenarbeit mit italienischen Künstlern fand ihre Fortsetzung unter Markus Sittikus und Paris Lodron, in dessen Amtszeit die Fertigstellung (noch unvollendet sind die beiden Westtürme) und Einweihung des neuen Doms fiel. Der Neubau der Residenz war nicht nur vom Stil her italienisch geprägt. Auch seine baulichen Strukturen bringen südliches Flair nach Salzburg: Wolf Dietrichs so genannte Dietrichsruh, ab 1605 errichtet, war als privater Gartenhof mit Brunnen, Grottennische, Vogelhaus und Sala Terrena ganz nach italienischem Vorbild gestaltet. Auch bei späteren Modernisierungen unter Fürsterzbischof Harrach standen italienische Künstler hoch im Kurs: Antonio Beduzzi und Alberto Camesina arbeiteten neben Johann Michael Rottmayr und Martino Altomonte.

 

Immaterielle Werte im DomQuartier

Salzburg erhielt den Welterbestatus auch wegen seiner Bedeutung für die Musikgeschichte:

(vi) Salzburgs Verbindung zu den Künsten ist bemerkenswert, insbesondere zur Musik in der Person ihres berühmten Sohnes Wolfgang Amadeus Mozart.

Für immaterielle Werte kann man nur ausgezeichnet werden, wenn etwa Bauten erhalten sind, die unmittelbar Zeugnis ablegen können wie beispielsweise der Dom und die Residenz zu Salzburg für das Wirken Mozarts. Für diese Orte hat Mozart komponiert, hier ist er selbst aufgetreten. Er schätzte die Vielfalt an Anlässen, für die er den musikalischen Rahmen schaffen sollte. Die Räume selbst sind auch heute noch so authentisch erhalten, dass sie ihre Klangqualität aus Mozarts Zeit bewahrt haben.

Seit Wolf Dietrich die Hof- und Dommusik reorganisiert hatte, war Salzburg ein bedeutender und innovativer Musikstandort in Europa. Immerhin wurde hier die erste Oper nördlich der Alpen „Orfeo“ von Claudio Monteverdi aufgeführt.

In dieser Tradition finden auch heute noch ausgewählte Musikereignisse im DomQuartier statt.

Konzert im Kaisersaal, Barockfest 2017, Residenz zu Salzburg

 

Neues Welterbevermittlungszentrum in Mirabell

In einem neuen Museum im Südflügel der historischen Orangerie im Mirabellgarten wird ab 2025 eine künftige Ausstellungseinrichtung ganz der historischen Altstadt Salzburgs als UNESCO-Weltkulturerbe gewidmet sein. Hier wird das Thema Welterbe unter dem Namen „Orangerie Salzburg – Panorama Museum / Zentrum Welterbe“ umfassend vorgestellt.

Die UNESCO

UNESCO steht für „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation“. Es ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Derzeit sind 194 Mitgliedstaaten in der UNESCO vertreten. Die UNESCO wurde gegründet in der Überzeugung, dass internationale Zusammenarbeit in diesen Bereichen zur Wahrung von Frieden und Sicherheit beitragen kann. Der UNESCO war die vorausblickende Einbeziehung der Zivilgesellschaft in die staatliche Zusammenarbeit wichtig, weshalb es zur Gründung von nationalen Kommissionen kam, die ihre Regierungen durch Fachexpertise unterstützen. Die Österreichische UNESCO-Kommission (ÖUK) wurde 1949 als nationale Koordinations- und Verbindungsstelle der UNESCO gegründet.

Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS)

ICOMOS ist die internationale nichtstaatliche Organisation, die sich weltweit für Schutz und Pflege von Denkmälern und Denkmalbereichen und die Bewahrung des historischen Kulturerbes einsetzt. ICOMOS beteiligt sich als Berater und Gutachter an der Arbeit des Welterbe-Komitees und an der Erfüllung der UNESCO-Konvention zum Weltkulturerbe. in mehr als 120 Ländern bestehen Nationalkomitees, so auch in Österreich.

Der Welterbebeauftragte von Salzburg koordiniert alle Agenden das Welterbe betreffend.

 

Weiterführende Links: 

UNESCO-Welterbe – Was ist das? Erkläranimation über die Idee des Weltkultur- und -naturerbes

HUNESCO-Welterbe – Historisches Zentrum der Stadt Salzburg

Orangerie Salzburg – Panorama Museum / Zentrum Welterbe

UNESCO –  Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Österreichische UNESCO-Kommission

ICOMOS Austria – Österreichisches Nationalkomitee

Welterbebeauftragter der Stadt Salzburg