Der Gedenktag ist auf Empfehlung der UNESCO im Dezember 1993 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen eingeführt worden.

Ein Tag um innezuhalten und nachzudenken: Die Unabhängigkeit von Medien und die Sicherheit von Journalistinnen und Journalisten ist weltweit Tag für Tag in Gefahr. Die Pressefreiheit wird nach wie vor vielerorts verletzt – ein höchst fragiles Gut, das ständig aufs Neue verteidigt werden muss.


Der 3. Mai soll aber auch daran erinnern, dass Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, einst mühsam erkämpft werden mussten.

Auch hier lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Anlässlich unserer Colloredo-Ausstellung lautet die Frage: Wie sah es im Salzburg des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus? Wie ging es dem Pressewesen unter dem aufgeklärten Fürsterzbischof?


Neue Töne aus Salzburg

Sein Vorbild, verlautbarte Hieronymus Graf Colloredo, seien Pressefreiheit und Toleranz, wie sie der „große Monarch“ Joseph II. gewähre. Eine möglichst ungehinderte Pressearbeit diene sowohl der Kirche als auch dem Staat. Berechtigte und maßvolle Kritik sollten alle Individuen, auch solche geistlichen Standes, ertragen können.

Salzburg wurde in seiner Ära zu einem Zentrum der Spätaufklärung in Mittel-Europa, nicht zuletzt auf Grund seiner liberalen Pressepolitik, seinem ausgeprägten Engagement für die Freiheit des Presse- und  Publikationswesens im Sinne der Kernforderung der Aufklärung.


Fürsterzbischof Colloredo, um 1780 © Erzbischöfliches Palais, Salzburg

Niemahlen würden Wir gestatten, daß die Geistlichkeit unserer Erz- und bischöflichen Kirche, oder die katholische Geistlichkeit überhaupt von unserem Zeitungs Schreiber mißhandlet werde.

Wenn er aber Wahrheiten verbreitet, welche Verbrechbaren zur Beschämung, und anderen zum Spiegel der Besserung dienen, so glauben Wir, solche nicht unterdrüken zu dürfen.

Nach unseren Begriffen ist kein Staat zu ehrwürdig, um desselben Vergehungen zu verhüllen. Unterdrückte Wahrheit besseret nach unserer Meynung niemahlen, und der geistliche Stand ladet mehr Ärgerniß durch versuchte Unterdrükung begangener Fehler, als durch derselben Bekantmachung und gebührenden Bestraffung auf sich.

Fürsterzbischof Colloredo an Kurfürst Karl Theodor von Bayern, November 1786


Bereits einige Monate nach seinem Regierungsantritt regelte Colloredo die Zensur neu: Bücher weltlichen Inhalts sollten dem Hofrat, religiöse Schriften dem Konsistorium vorgelegt werden. Regelmäßig erscheinende Zeitschriften und Zeitungen sowie Publikationen der Universitätsprofessoren waren von Zensurmaßnahmen ausgenommen.

Das Zensurgesetz folgte liberalen Grundsätzen, bald hieß es schon, in Salzburg könnte man über Dinge schreiben, über die man in München und Wien nicht einmal zu denken wagte.

 


Als wären wir noch in den Zeiten, wo alles vor dem Donner des Vaticans erbebte…


Der erste ausgewiesene Chefredakteur einer Salzburger Tageszeitung: Lorenz Hübner (1751– 1807), Porträt von Barbara Kraft, um 1795 © Salzburg Museum

 

 

Die Schlüsselfigur der publizistischen Belange innerhalb seines Beraterteams war Lorenz Hübner (1751– 1807) – ein manchmal gerade zu militanter Kritiker der nicht-aufgeklärten Theologie, von Mönchstum und Zölibat.

Geboren 1751 im bayerischen Donauwörth, studierte Hübner in Ingolstadt bei den Jesuiten am Gymnasium und an der Universität, promovierte zum Doktor der Theologie, wurde Ordensnovize und nach Aufhebung des Jesuitenordens 1774 zum Weltpriester geweiht.

Aufgrund der verschärften Zensurbestimmungen in München übersiedelte er im Dezember 1783 in das aufgeklärte Salzburg Colloredos.

 

 


Anziehende Medienpolitik

Die Salzburger Zeitungsgeschichte beginnt mit einem Auftrag von Hieronymus Colloredo an Lorenz Hübner: Er sollte in Salzburg ein Zeitungswesen aufbauen.

Die Publikationen, die Hübner herausgab, erlangten überregionale Verbreitung.

In der Stadt Salzburg gründete er zudem ein „Lectur-Cabinett“, eine Lesegesellschaft, im Haus des Hofmusikus Melchior Ferdinand Sandmay (heute Getreidegasse Nr. 8) im ersten Stock. Dienstag, Donnerstag und Samstag jeweils von 14 bis 16 Uhr konnten interessierte Bürger die wichtigsten aufklärerischen Zeitungen und Zeitschriften lesen. Daneben lagen auch zwei französische und zwei italienische Zeitungen auf, ein Mode-Journal, eine Jugendzeitung sowie 19 Literaturblätter.

 


Salzburg verfügte Ende des 18. Jahrunderts über eine der blühendsten Presselandschaften.

Die günstigen Publikationsmöglichkeiten, die weitreichende Pressefreiheit, die milde Handhabung der Zensur war verlockend, nie waren so viele Forscher, Gelehrte und Publizisten in Salzburg versammelt wie damals. Das Geistesleben florierte, Salzburg wurde zu einem bedeutenden Wissenschaftszentrum.


Die „Salzburger Zeitung“, seit 1785 „Oberdeutsche Staatszeitung“, war im benachbarten Bayern verboten.


 

 

 


Die seit 1788 erscheinende „Oberdeutsche Allgemeine Litteratur-Zeitung, mit einer Auflage von 1000 Stück und per Vorrauskassa um 10 Gulden zu abonnieren, gilt als Flaggschiff, als das intellektuell bedeutsamste Organ der deutschen katholischen Aufklärung. Die OALZ zeigte sich allem geistig Neuen offen, stand Kant nahe, und in lebhafter Auseinandersetzung mit dem Idealismus Schellings, Fichtes und später Hegels.

Sie zählte sogar Johann Wolfgang von Goethe zu ihren Lesern.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Mehr über den Internationalen Tag der Pressefreiheit.

 

Sonderausstellung: Colloredo. Reformer in neuem Licht

26. 1.  – 29. 5. 2023 Nordoratorium, Residenzgalerie

Die ausführliche Ausstellung über den letzten geistlichen Landesfürsten widmet sich zahlreichen Aspekten seiner einunddreißigjährigen Regierungszeit und rückt so manches Klischee zurecht.

 

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