Manufaktur Jan Frans van den Hecke, Brüssel

 

Jan Frans van den Hecke (nachweisbar 1662 – 1700)
Die zwölf Monate: Mai, Juni, 2. H. 17. Jahrhundert

Tapisserie
Residenz zu Salzburg, Depot © 2020 Peter Laub, Salzburg


Auch der Frühling, der junge, geschmückt mit blühendem Kranze,
Leicht bekleidet der Sommer, mit einem Gewinde von Ähren,
Auch der Herbst stand hier, bespritzt von getretenen Trauben
Und der eisige Winter mit grauen und struppigen Haaren.
Ovid, Metamorphosen (II, 27–30)

Bereits in der griechisch-römischen Antike wurden in der philosophischen Literatur spezielle Charakteristika der Jahreszeiten herausgebildet, die alsbald Eingang in die abendländische Kunst fanden. Die vier Jahreszeiten wurden personifiziert, mit zahlreichen Attributen versehen und oftmals von Göttern der Mythologie verkörpert.

Es war aber nicht immer selbstverständlich, dass man das Jahr in vier Zeitabschnitte gliederte. Vielmehr trifft man in der Frühzeit der Griechen und Römer die alte Zweiteilung in Sommer und Winter, in Überfluss und Mangel an. Diese Zweiteilung herrschte sogar noch im Mittelalter bei wenig gebildeten Menschen vor, die weder Uhr noch Kalender besaßen und einer genauen Zeiteinteilung nur geringe Bedeutung beimaßen.

Religiös motiviert tauchen Jahreszeitendarstellungen in Monatsbildern mit spezifisch menschlichen Produktionstätigkeiten, Szenen aus dem Alltagsleben oder der Darbietung höfischen Prunks und Luxus in Handschriften des Spätmittelalters auf. Die Renaissance und der Barock übernahmen und erweiterten den Kanon allegorisch-mythologischer Darstellungen. Beide Epochen kamen dem Repräsentationswillen der Könige, des Adels und der Kirche nach Illusion und Prunkentfaltung sehr entgegen. Vielfältig waren daher die Aufgaben, die den Künstlern übertragen wurden.

Im Barockzeitalter war die Ausschmückung der Paläste und Schlösser von zentraler Bedeutung. Kostbar sollten die Gegenstände sein: aus edlen Stoffen und Materialien gefertigt, von herausragenden Künstlern geschaffen oder entworfen und von den qualitativ besten Manufakturen Europas umgesetzt. Gobelins mussten aus flämischen Werkstätten kommen.

In den Prunkräumen der Residenz zu Salzburg befindet sich eine Serie von sechs Tapisserien aus der bekannten Brüsseler Manufaktur Van den Hecke. Jeweils zwei Monate des Jahreskreises sind auf einem Teppich zusammengefasst. Das hier gezeigte Stück stellt die Monate Mai und Juni dar. Die Landschaft ist voll mit blühenden Pflanzen und reich an Tieren. Als jahreszeitliche Tätigkeiten werden rechts das Scheren von Schafen und das Binden von Blumen, links, vor einem umzäunten Garten mit Jungbrunnen, das ausgelassene höfische Musizieren gezeigt. Es ist eine Allegorie auf das Wiedererwachen der Natur nach einem entbehrungsreichen Winter.

Text: Dr. Thomas Habersatter (Kurator Residenzgalerie)

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