Silberne Vasen von Gerold Tusch

Silberne Vasen mit Wolkenmotiv

Der Weg von der Kunst- und Wunderkammer ins Museum St. Peter führt über die Lange Galerie. Beim Durchschreiten dieses Licht durchfluteten Raumes kann man an der linken Wand Gemälde mit christlichen Darstellungen aus der Sammlung bewundern und rechts seinen Blick auf den Domplatz schweifen lassen. Am Ende des Ganges wird es etwas dunkler und man kommt zu einer langen Rampe, die acht Stufen baulichen Niveauunterschiedes ausgleichen soll. 


Diesen Eingangsbereich über die Rampe flankieren zwei sehr große Vasen des österreichischen Künstlers Gerold Tusch und bilden einen eindrucksvollen Dialog zwischen Gestern und Heute.
 

Eingangsbereich zum Museum St. Peter führt über eine Rampe

Zwischen Himmel und Erde – eine Intervention

Die räumlichen Gegebenheiten waren für die Auftragsarbeit des jungen Künstlers vorgegeben und nehmen auf das Kunstwerk Einfluss. Das Motiv der Vase ist gewissermaßen ein „Topos“ der Dekoration. In seiner Arbeit untersucht Gerold Tusch Funktionsweisen, Bedeutungen und Bedingungen des Dekorativen ebenso wie die Positionierung der Vase in diesem Zusammenhang.
Die Vase verlässt als Protagonist im dekorativen Repertoire von Interieur, Fassade und gestaltetem Freiraum ihre ursprüngliche Funktion und wird spätestens im Barock zur Skulptur.
Die zierende Präsenz blendet dabei mitunter die Wahrnehmung der inhaltlichen Potentiale aus: In der Vergangenheit allegorische Bedeutungsträgerin, wird sie hier in selbstreflexiver Form, die eigene Dekorativität ironisch/spielerisch variierend und hinterfragend, zum Objekt.Immer schon markierte die Vase in größerer Form repräsentative Bereiche gesellschaftlichen Lebens. Genau hier steht sie an der Schnittstelle zur bildenden Kunst, die ebenso wie die Dekoration diese Funktion der Repräsentation bis heute innehält.
Aus den silbrig schimmernden Vasen quillt sich windendes Gewölk, so als würde Rauch zu wolkig dreidimensionaler Zier Form gerinnen. Diese Vasenparaphrasen stehen mit ihrer silbrig bewegten Wolkenformation im Gegensatz zum Flammenmotiv des ewigen Lichtes von Zier- und Prunkvasen auf Altären.
 

Einer der frühesten Galeriebauten nördlich der Alpen

Das Wolkenmotiv
Gerold Tusch beschäftigt sich mit Zier- und Dekorationsformen, die oft ihrer Funktion und ihres Inhalts beraubt sind. Dabei nimmt er dekorative Elemente ausihrem Kontext und setzt sie gestalterisch neu ein. In diesem Zusammenhang ist auch die Aneignung der barocken „Silberwolke“ zu verstehen. Die Wolken sind eine inhaltliche Entsprechung zum Leitmotiv des DomQuartiers. Sie können als Bindeglied zwischen Himmel und Erde – Spiritualität und irdischer Verbundenheit, gelesen werden. Kein religiöses Symbol im eigentlichen Sinn, signalisieren sie doch die Nähe zum Himmlischen und sind trotzdem Teil eines sehr irdischen Dekorationsrepertoires.
 

Die Farbigkeit
Die Farbigkeit für die beiden Vasen ist silbern, der Tradition des Wolkenmotives entsprechend, Licht reflektierend und feierlich schimmernd. Hell und ohne irdische Schwere differenziert sich das Silber doch von der Farblosigkeit der schönen Stuckgewölbe der Langen Galerie und steht durch die Reflexion der Umgebungsfarbigkeit nahezu neutral neben der rotbraunen Verwendung des Marmors und im Kontrast zur etwas dunkleren und matteren Oberfläche der Brüstung.

Skizze von Gerold Tusch

Das Material
Die keramischen Objekte wurden mehrteilig aus Ton gebaut, gebrannt, glasiert, erneut gebrannt und schließlich mit Schlagaluminium versilbert. Diese Beschichtung wird auf die glatte Glasuroberfläche aufgebracht und bekommt so einen besonders schönen Glanz. Die Oberfläche wird am Ende als Korrosionsschutz farblos lackiert. Die Entscheidung für Aluminium statt Blattsilber, das technisch gleich aufgebracht wird, ist inhaltlich begründet. GeroldTusch beschäftigt sich hier mit Schein und Sein, Dekoration und Repräsentation –die scheinbar kostbare Silberoberfläche entspricht ganz diesen Fragestellungen.Auf Grund ihrer fast 3 m Höhe (mit Sockel) und dem silbernen Glanz wirken die Vasen-Objekte sehr beeindruckend.
 
Gerold Tusch lebt in Österreich, hat in Salzburg am Mozarteum studiert, an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen und viele Preise für seine Arbeit erhalten.
Die Präsentation des Kunstwerkes fand im Oktober 2014 statt.
 
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