Cornelis de Heem, Stillleben mit Austern, Zitronen und Trauben

Holland feiert 2019 sein „Goldenes Zeitalter“. Die Residenzgalerie Salzburg gratuliert mit Highlights der europäischen Malkunst.

Zu sehen sind 70 Meisterwerke aus der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien und der Residenzgalerie Salzburg.

Einzigartige wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedingungen bildeten den fruchtbaren Boden für die glanzvolle Blüte der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. In dieser Zeit, die als das Gouden Eeuw/Goldenen Zeitalter bezeichnet wird, erreichte die Malerei eine in dieser Breite nie zuvor gekannte Qualität.


Highlights

In der Ausstellung zeugen von diesen „Goldenen Zeiten“ mehr als 40 hochkarätige Gemälde in der Sammlung der Residenzgalerie Salzburg, erworben aus der altösterreichischen Adelssammlung Czernin. Ebenfalls verfügt die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien durch die altösterreichische Adelssammlung Lamberg über herausragende holländische Malerei und ist mit 26 Meisterwerken zu Gast. Eine erlesene Auswahl an Stillleben, Landschaften, Marinestücken, Porträts und vielen mehr schenkt Einblick in ein außergewöhnliches Phänomen der europäischen Kunst.

Künstler

Willem van Aelst, Jan Asselijn, Gerrrit A. Berckheyde, Abraham van Beyeren, Leohard Bramer, Pieter Codde, Dirk van Deelen, Gerard Dou, Karel Dujardin, Allaert van Everdingen, Barent Fabritius, Aert de Gelder, Jan Davidsz. de Heem, Jan van Goyen, Nicolaes Maes, Aart van der Neer, Reinier Nooms, Adrian van Ostade, Paulus Potter, Rembrandt, Salomon van Ruysdael, Jacob I. Ruisdael, Godfried Schalcken, Simon de Vlieger, Hendrick van Vliet, Emmanuel de Witte, Jan Weenix.

Kuratorin/Konzept:
Erika Oehring, Residenzgalerie Salzburg

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Der Katalog zur Ausstellung ist (€ 18,90) im Shop der Residenzgalerie Salzburg und demnächst auch online erhältlich.

Abbildung 1:  Cornelis de Heem, Stillleben mit Austern, Zitronen und Trauben, (Ausschnitt), Residenzgalerie Salzburg, Inv.-Nr. 561 © 2019 RGS/Ghezzi

Ölgemälde mit Seelandschaft mit Segler rechts

Abbildung 2: Salomon van Ruysdael, Seelandschaft mit Segler rechts, Ausschnitt, undatiert, Öl Eichenholz, 35,8 x 32,9 cm, Residenzgalerie Salzburg Inv Nr. 552, Aufnahme U. Ghezzi

Das Goldende Zeitalter

Voraussetzung war eine im Europa des 17. Jahrhunderts einzigartige wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Konstellation. Aus dem 80jährigen Befreiungskampf gegen Spanien (1568-1648) waren die nördlichen niederländischen Provinzen siegreich hervorgegangen. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurde die Republik der Vereinigten Niederlande auch völkerrechtlich anerkannt. Diese hatte sich zudem zu einer Weltwirtschaftsmacht entwickelt. Einen bedeutenden Anteil an diesem Aufstieg hatten die vielen Einwanderer aus den südlichen Niederlanden.
In einer Zeit, die im übrigen Europa als Krisenzeit gilt, investierte man in die Modernisierung der Landwirtschaft. Fischfang, Schiffsbau und Schifffahrt, Handel, koloniale Stützpunkte in Übersee und der Aufbau eines Bank- und Kreditwesens bildeten die Grundlagen für einen beispiellosen Aufschwung. Amsterdam stieg zum wichtigsten Hafen und zur bedeutendsten Handelsmetropole Europas auf.
Die finanzielle und überseeische Leistung der Provinz Holland führten zu deren Vorrangstellung vor den anderen Provinzen, so dass Holland den Namen gab für die gesamte Union der nördlichen Niederlande.

Der Kunstmarkt

Selten war eine Epoche und Region so reich an Talenten und namhaften Künstlern. Viele von ihnen waren vor der spanischen Herrschaft in den Norden geflüchtet. Hier fanden sie in vielerlei Hinsicht eine völlig neue Situation vor. Wichtige Auftraggeber wie Adel und Kirche fielen aus. Stattdessen bot der allgemeine Wohlstand ein günstiges Klima für Kunst und die Nachfrage nach Malerei stieg nach 1630 in allen Gesellschaftsschichten rasant an. Mit Ausnahme der Porträtmalerei gingen persönliche Aufträge deutlich zurück. Ein Großteil der Künstler arbeitete für den anonymen Markt. Ökonomischer Erfolg und künstlerische Qualität schlossen einander jedoch keineswegs aus.
Gemälde wurden zu einem Teil der Alltagskultur. Messen, Märkte, Lotterien boten die Möglichkeit Bilder mit größerem oder kleinerem finanziellen Einsatz zu erwerben, nicht selten als Spekulationsobjekt oder als Handelsware. Selbstverständlich konnte weiterhin bei einem Atelierbesuch Thema und Format bestellt und der Preis ausgehandelt werden. In Städten wie Leiden, Amsterdam und Den Haag gab es jeweils über hundert Ateliers. Die mit wenigen Ausnahmen gewöhnlich in Gilden organisierten Maler spezialisierten sich auf einzelne Themen um in der großen Konkurrenz zu bestehen. Neue Bildthemen erfreuten sich großer Beliebtheit und hingen in fast allen Haushalten.

Die Malerei der nördlichen Niederlande

Die Holländer des 17. Jahrhunderts verstanden ihre Bilder als Schilderung und Beschreibung der sichtbaren Welt mit einem eigenen Sinn und besonders geschärften Blick für das Undramatisch- Alltägliche.
Ideologische Grundlagen des Kalvinismus brachten die Andachtsfunktion des Bildes zum Verschwinden. Die Säkularisierung führte zu einer Verselbständigung nichtreligiöser Themen wie Stillleben, Landschaften, Genrebilder oder Marinedarstellungen. Die beim Publikum sehr begehrten Darstellungen sind reich an mehr oder weniger verschlüsselten moralisierenden Belehrungen – Tot lering en vermaak/um zu belehren und zu gefallen – lautet das kalvinistische Gebot. Unzählige literarische Quellen bilden die Grundlage für die vielfältigen Bedeutungen der einzelnen Motive.
Der in der Regel schwarze Rahmen, die neuerdings bürgerliche Rahmenform, begrenzt selten repräsentative Inhalte. Die Mannigfaltigkeit der Dinge naer het leven/nach dem Leben zu zeigen wurde zur Grundvoraussetzung für die Erkenntnis und das Verstehen der Welt. Die perfekte Naturnachahmung – Imitatio Naturae – die als das höchste Ziel der Kunst galt, wurde zur großen Herausforderung. Das Interesse an der Darstellung der eigenen Region, an der Beschaffenheit der Dinge steht in enger Verbindung mit neuen Erkenntnissen der Naturwissenschaft. Optische Experimente sowie reger Kontakt der Künstler mit Gelehrten war selbstverständlich. Das Bild wurde zu einer besonderen Form der Weltaneignung, es war nicht mehr Teil eines barocken Gesamtkunstwerks, es rechtfertigte sich allein durch sich selbst.

 

Gemälde der Gemäldegalerie zu Gast in der Residenzgalerie

 

Mit freundlicher Unterstützung