W. A. Mozart, Detail aus Familienbild der Mozarts

Hört zu − ein ergrimmter Löwe brüllet!
So ein Theater!

Warum brüllet ein ergrimmter Löwe im Rittersaal?

Im Rittersaal gingen Werke W. A. Mozarts unter seiner Leitung das erste Mal über die Bühne, darunter auch Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebots KV 35.

Die opernlosen Monate während der Fastenzeit überbrückte man am fürsterzbischöflichen Hof mit Oratorien in deutscher Sprache, die Legenden und Moralhistorien aus der Bibel, aus dem Leben der Heiligen oder aus Kirchengeschichten thematisierten. Sie wurden teilweise zwei Mal in der Woche im Rittersaal oder dem Weißem Saal der Residenz bzw. im Dom szenisch oder halbszenisch aufgeführt.

Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebots KV 35 war ein Gemeinschaftswerk der damals angesehensten Komponisten am Salzburger Hof: Wolfgang Amadeus Mozart − erst zehn Jahre alt − schrieb den ersten, Michael Haydn den zweiten und der Hoforganist Anton Cajetan Adlgasser den dritten Teil des Fastenoratoriums, das 1767 an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen aufgeführt wurde.

Nur Mozarts Beitrag ist erhalten.


Titelblatt

Titelblatt von „Der Schuldigkeit“

 „Donnerstag war anheut nach dem abendlichen Gebetläuten bey Hof in dem sogenannten Ritter Saal ein Oratorium … Den deutschen Text hat comonniret Herr Weiser, ein Handels-und Ratsherr, die Musique hat componiret der Wolfgang Mozart, Knab alt von 10 Jahren.“ (P. Beda Hübner)

Mozarts erstes Bühnenwerk

Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebots war Mozarts erstes Bühnenwerk. Es stellt eine Parabel mit allegorischen Figuren dar und wurde im Auftrag von Fürsterzbischof Sigismund von Schrattenbach geschrieben. Die Partitur zeigt zahlreiche Eingriffe von Vater Leopold.

Das Autograph befindet sich im Besitz der englischen Königin und wird in der königlichen Bibliothek in Schloss Windsor verwahrt.

Erste Sopranistin: Maria Magdalena Lipp

Maria Magdalena Lipp, die spätere Frau von Mozarts Salzburger „Arbeitskollegen“ Michael Haydn, war Erste Sopranistin am Salzburger Hof und sang immer wieder Partien in den Werken Mozarts, wie 1769 die Rosina in La finta semplice (KV 51).

In Der Schuldigkeit des ersten Gebots trat sie als „Göttliche Barmherzigkeit“ auf und sang auch die virtuose Arie „Ein ergrimmter Löwe brüllet“.

 

Hören Sie jetzt rein!


 

ÜBRIGENS

Acht Jahre später wurde ein anderes Werk des jungen Mozart im Rittersaal uraufgeführt: seine Serenata Il re pastore KV 208, in der es um das Schicksal des jungen Hirten Amintas geht. Ob es für ihn und seine geliebte Elisa ein happy End gibt?
Die Antwort hier in diesem „virtuellen Museum“, Mozart und der Rittersaal Teil 2!

Rittersaal in der Salzburger Residenz

Text: Dr. Sabine Krohn (Musik im DomQuartier)

Teilen: