Klatschgeschichten zum europäischen Adel werden heute über Hochglanz-Magazine mit Paparazzi-Fotos und über digitale Medien kolportiert; im 19. Jahrhundert verbreiteten der Adel, die Diplomaten und die Bediensteten des Wiener Hofes rund um die Uhr Nachrichten zum Tagesablauf sämtlicher Mitglieder der habsburgischen Familie.

Um seinem unter konstanter Beobachtung stehenden, homosexuellen Bruder eine Privatsphäre zu bieten, kaufte Kaiser Franz Joseph für den 24-jährigen Erzherzog Ludwig Viktor 1866 das Schloss Kleßheim. Über die Jahre nutzte Ludwig Viktor Kleßheim nicht nur im Sommerhalbjahr, daher ließ er sich 1880/1882 vom Architekten Heinrich von Ferstel auf dem Areal ein Winterschloss errichten.

Bis Ende 1903 nahm Ludwig Viktor am Gesellschaftsleben des Wiener Hofes teil; analog zu den anderen Mitgliedern des Kaiserhauses wurde er regelmäßig mit Repräsentations-Verpflichtungen betraut. Auf Grund gesundheitlicher Probleme löste der Erzherzog 1904 seinen Wiener Haushalt auf und übersiedelte ganzjährig nach Kleßheim; 1915 wurde er unter Kuratel gestellt und verstarb am 18. Jänner 1919 im Winterschloss.

Bislang gibt es keine umfassende Biographie des jüngsten Kaiserbruders Ludwig Viktor (1842 – 1919), ebenso wenig detaillierte Fakten zum Verkauf der Liegenschaft Kleßheim bzw. des Gesamt-Inventars.

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes zum 100. Todestag des Erzherzogs werden erstmals für Kleßheim relevante Details der Lebensumstände Ludwig Viktors veröffentlicht; des Weiteren eine Darstellung des Ablaufs des ungewöhnlichen Verkaufs von Kleßheim. Ein eigenes Kapitel des Kataloges ist jenen Kunstwerken gewidmet, die aus Ludwig Viktors Besitz stammen, sich seit dessen Tod im Eigentum von Stadt und Land Salzburg befinden ohne dass bislang deren Kleßheimer Provenienz im Einzelnen veröffentlicht wurde.

Kuratorin
Dr. Roswitha Juffinger

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog

BILD
Heinrich von Angeli (1840 – 1925), Erzherzog Ludwig Viktor von Österreich, 1874, Öl/Leinwand (Detail)
© Land Salzburg Neue Inv. Nr. 111111 9300467, Aufnahme Fotostudio Ulrich Ghezzi, Oberalm