2023 – Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo. Reformer in neuem Licht 1772–1803/1812

Katalog zur 44. Sonderausstellung des Dommuseum Salzburg
26. Jänner 2023 bis 29. Mai 2023

Schriftenreihe des Archivs der Erzdiözese Salzburg, Bd. 26

Der letzte geistliche Landesfürst Salzburgs, Hieronymus Graf Colloredo, übernahm bei seinem Amtsantritt ein durch die Hungerkrise von 1771 wirtschaftlich schwer belastetes, hoch verschuldetes Land. Seinen Zeitgenossen galt der Bischof von Gurk bereits vor seiner Wahl zum Erzbischof von Salzburg als erfolgreicher Reformer.
Die einen schätzten ihn als Vorreiter der Aufklärung, in den Augen anderer war er ein kühler Rechner, der althergebrachte und liebgewonnene Traditionen scheinbar rücksichtslos über Bord warf. Die Salzburger Bevölkerung reagierte reserviert bis ablehnend auf seine Wahl und seine Reformen, Colloredo wiederum blieb die Mentalität seiner Untertanen fremd und unverständlich. Dennoch entwickelte er mit Unterstützung von Experten und Beratern in seinem Umfeld ein intensives und in vielen Bereichen zunächst erfolgreiches Reformprogramm im Zeichen der Aufklärung, das alle wesentlichen Lebens-, Kultur-, Wirtschafts- und Verwaltungsbereiche des Erzstifts und seiner Menschen erfasste. Gleichzeitig geriet das Erzstift kirchen- und außenpolitisch unter Druck, bis die ersten beiden Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich, an denen sich Salzburg beteiligen musste, viele positive Entwicklungen
zunichtemachten und schließlich 1803 zum Ende des geistlichen Reichsfürstentums Salzburg führten. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Fürsterzbischof Colloredo schon lange nicht mehr in seinem Land auf, für dessen Verwaltung er eine Statthalterei eingesetzt hatte. Bis zu seinem Tod 1812 weigerte er sich beharrlich, auch als Erzbischof abzudanken, wodurch er den Fortbestand des Erzbistums Salzburg sicherte.

Abgesehen von kaum bestreitbaren Verdiensten scheiden sich bis heute die Geister in der Beurteilung von Colloredos Persönlichkeit und Wirken. Der Bruch mit Mozart – lange Zeit Bestätigung oder sogar Wurzel von Ressentiments – wird heute zugunsten Colloredos verständnisvoller bewertet. Inzwischen mussten auch andere Ansichten revidiert werden, etwa des Fürsten angebliches Desinteresse an bildender Kunst und den Wissenschaften.
Die Ausstellung hat sich vorgenommen, den Reformer in neues Licht zu rücken, nicht um zu beschönigen, sondern sein Handeln im Licht neuer Erkenntnisse zu betrachten. Die jüngst publizierten Briefe an seinen Bruder Gundaker machen erstmals auch die emotionale Seite des als distanziert und kühl überlieferten Regentenfassbar.

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Konzept: Reinhard Gratz, Thomas Mitterecker

Förderer: Erzdiözese Salzburg, Land Salzburg, Stadt Salzburg

Herausgeber: Reinhard Gratz, Thomas Mitterecker

Redaktion und Lektorat: Jutta Baumgartner, Barbara Depauli, Reinhard Gratz, Julia Hotinceanu, Thomas Mitterecker, Wolfgang Neuper

Grafische Gestaltung: Eric Pratter, pratter comm.design | Druck: Samson Druck, St. Margarethen

Erscheinungsort Salzburg

Erscheinungsjahr 2023

Sprache Deutsch 

Seitenzahl 287

 

Für den Inhalt der Beiträge verantwortlich sind die namentlich genannten Autorinnen und Autoren.

© Dommuseum Salzburg 2023
Bierjodlgasse 7, 5020 Salzburg, Österreich

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-901162-30-5


34,90

Gewicht 1,4 kg
Größe 27,5 × 22 × 2 cm