3. August 2019 – 12. Jänner 2020 DomQuartier Salzburg, Residenzgalerie.
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Konzept, Gestaltung, Organisation
Dr. Erika Oehring, Residenzgalerie Salzburg

Die Niederlande stehen 2019 im Zeichen des Goldenen Zeitalters. Gedacht wird des Werks von Rembrandt van Rijn, dessen Todestag sich zum 350. Mal jährt, sowie der Epoche, in der er tätig war. Salzburg feiert mit und zeigt ab 3. August im DomQuartier
Highlights europäischer Malkunst.

Die Ausstellung der Residenzgalerie Salzburg ist die einzige österreichweit, die auf dieses bedeutende kulturelle Jubiläum Bezug nimmt.

Präsentiert werden 73 Meisterwerke aus der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien und der Residenzgalerie Salzburg.

Die „Goldenen Zeiten“ sind damit die größte Schau niederländischer Malerei, die jemals in Salzburg zu sehen war.

Ein Dialog zweier bedeutender Sammlungen

Einzigartige wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Bedingungen bildeten den fruchtbaren Boden für die glanzvolle Blüte der holländischen Malerei des
17. Jahrhunderts. Diese Zeit wird als Gouden Eeuw, das Goldene Zeitalter, bezeichnet. Die erlesene Auswahl an Stillleben, Landschaften, Marine- und Architekturstücken, Genrebilder und Porträts in den Räumlichkeiten der Residenzgalerie schenkt einen faszinierenden Einblick in dieses einzigartige Phänomen der europäischen Kunst.

Die Residenzgalerie Salzburg und die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien verfügen beide über einen wertvollen Bestand an holländischer Malerei des 17. Jahrhunderts in ihren Sammlungen. Die kostbaren Gemälde der Residenzgalerie stammen aus der altösterreichischen Adelssammlung der Grafen Czernin, die in den 1980er Jahren vom Land Salzburg erworben wurden, jene der Gemäldegalerie aus dem Legat des Grafen Anton Franz de Paula von Lamberg-Sprinzenstein.

Kunst fällt nicht vom Himmel. Gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedingungen beeinflussen und prägen das Kunstschaffen. Geradezu beispielhaft lässt sich dies an der holländischen Malerei des „Goldenen Zeitalters“ beobachten. Diese Malerei war eine Kunst für alle – und trotz des ökonomischen Erfolges von herausragender Qualität und von bahnbrechender Bedeutung.
Erika Oehring, Ausstellungskuratorin

Gouden Eeuw – Goldenes Zeitalter

Etwa sechzig Jahre lang florierte in den nördlichen Niederlanden des 17. Jahrhunderts eine in jeder Hinsicht einzigartige Kunst- und Kulturlandschaft. Eine bemerkenswerte gesellschaftspolitische Konstellation, verbunden mit einem beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung und einer gewissen religiösen Toleranz, bildeten dafür die Voraussetzungen.
Das Gouden Eeuw, das Goldene Zeitalter war das Ergebnis eines Aufstandes: In dem achtzig Jahre andauernden Unabhängigkeitskampf gegen das habsburgische Spanien (1568–1648) gründeten die nördlichen Provinzen Friesland, Geldern, Groningen, Holland, Overijssel, Utrecht und Zeeland am 23.1.1579 in Utrecht die Union der nördlichen Niederlande. Diese sagte sich am 26.7.1581 vom spanischen König Philipp II. los. Gegründet wurde die Republik der Vereinigten Provinzen der nördlichen Niederlande, auch Holland genannt, nach der finanziell stärksten Provinz. Die Regierung in Den Haag wurde von den Generalstaaten geführt, einer Versammlung von Vertretern der einzelnen Provinzkammern mit Kaufleuten und Patriziern als Abgeordneten. In dieser Gesellschaft spielten der Adel und sein höfisches Reglement keine nennenswerte Rolle.

Wirtschaftliche Weltmacht

Nachdem die südlichen Niederlande 1585 erneut unter die absolutistische Feudalherrschaft von Spaniens König Philipp II. gefallen waren, folgte von den südlichen in die nördlichen Niederlande eine der größten Migrationswellen der Neuzeit. Vom enormen Bevölkerungszuwachs profitierte neben der Wirtschaft nicht zuletzt die Kunst. Vor Repressalien, Inquisition und verlorener Lebensgrundlage befanden sich Kaufleute, Handwerker, unzählige Künstler und Dissidenten auf der Flucht, unter ihnen viele Calvinisten. Diese bildeten den Motor einer dynamischen Entwicklung. In einer Zeit, die gemeinhin als Krisenzeit gilt, investierte man in die Modernisierung der Landwirtschaft, in Fischfang, Schiffbau und Schifffahrt, Handel, koloniale Stützpunkte in Übersee und in den Aufbau eines Bank- und Kreditwesens. Das erfolgreiche Ineinandergreifen von Handel, Schifffahrt und Finanz katapultierte das Land an die Spitze des Welthandels.

Kunst für alle

Selten war eine Epoche und Region so reich an Talenten und namhaften Künstlern.
Diese sahen sich hier mit neuen Herausforderungen konfrontiert, spielte doch der heimische Adel kaum eine Rolle, er fiel als Auftraggeber ebenso aus wie die reformierten Kirchen. Dort waren religiöse Darstellungen nicht erwünscht. Es kam zu einem grundlegenden Wandel der Funktion von Malerei. Bis in das 16. Jahrhundert dienten Gemälde vor allem der Andacht. Nun wurde deren Unterhaltungsfunktion immer bedeutender. Die Säkularisierung führte zu einer Verselbstständigung nicht-religiöser Themen wie Stillleben, Landschaften, Genrebilder oder Marinedarstellungen.

Künstler waren vor allem auf das Interesse der Bürger angewiesen.
Die meist in Gilden organisierten Maler spezialisierten sich auf einzelne Themen, um in der großen Konkurrenz zu bestehen. Nur wenige Meister konnten allein von ihrer Kunst leben. Das Vergnügen des Sehens war begleitet von mehr oder weniger verschlüsselten moralisierenden Belehrungen. Tot lering en vermaak (um zu belehren und zu gefallen) lautete die calvinistische Forderung. Der Kunstbesitz holländischer Haushalte war auffallend groß. Messen, Märkte, Lotterien, Auktionen und der Kunsthandel boten die Möglichkeit, Bilder mit größerem oder kleinerem finanziellen Einsatz zu erwerben.

Die Ausstellung

RAUM 2

Historie

Unter den Begriff „Historienmalerei“ fällt die Darstellung von geschichtlichen Ereignissen sowie von religiösen und mythologischen Geschichten und Allegorien.
Die moralisch-didaktische Aufgabe der Historienmalerei zeigt sich in der Einbeziehung biblischer Themen. Zu den verbreitetsten und meist gelesenen Büchern der niederländischen Literatur zählte die Statenbijbel von 1637.
Brautpaare erhielten bei ihrer kirchlichen Trauung ein Exemplar als Geschenk.
Zunehmend prägte der Bibeltext die künstlerische Themenwahl. Das Alte Testament bot ein Identifikationsmodell für die neu gegründete Republik der Vereinigten Niederlande. In Analogie zur biblischen Historie sahen sich die Holländer als ein von Gott auserwähltes Volk und ihren Staat als „neues Israel“.

  • Jan Weenix, Der verlorene Sohn, 1668, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 556
  • Rembrandtschule, Juda und Thamar, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 570
  •  Aert de Gelder, Alttestamentliche Szene (Juda und Thamar?), Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 817
  • Hendrik Bloemaert, Samson und Dalila, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1301

RAUM 3

Portret

Anders als in den katholischen Ländern Europas war im Holland des 17. Jahrhunderts die bürgerliche Oberschicht Auftraggeberin für Porträts zum privaten Gebrauch.
Hunderttausende Bildnisse entstanden, wobei der Höhepunkt 1630 erreicht wurde. Die Form der Darstellung folgte strengen Regeln. Aufgabe war es, das möglichst genaue Abbild der Person festzuhalten.
Das holländische Gruppenporträt, Familienporträts, Doppelporträts von Eheleuten sowie Künstlerselbstbildnisse sind Sonderformen der Porträtmalerei.
Eine besondere Variante bilden Tronien. Darunter versteht man Bildnisse, die keine bestimmte Person, sondern einen Menschentypus darstellen.
Jan Lievens führte dieses Sujet in den 1620er Jahren neu in die niederländische Malerei ein. Mit seinem Frühwerk „Betende alte Frau“ schuf Rembrandt um 1629 die Darstellung einer hochbetagten Person. Anders als Lievens, der Tronien auch für den Kunstmarkt produzierte, wurden sie von Rembrandt häufig als Studien angefertigt.

  •  Gerrit Dou, Selbstbildnis im Fenster, um 1650, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 536
  • Barend Graat, Herr und Dame auf einer Gartenterrasse, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 537
  • Jan Lievens, Männerbildnis, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 311
  • Pieter Nason, Männerbildnis, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 421
  • Caspar Netscher, Familienbildnis, 1674, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 545
  • Rembrandt, Betende alte Frau, 1629/30, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 549
  • Barent Fabritius, Selbstbildnis in Schäfertracht, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Inv.Nr. 639
  • Barend Graat, Bildnis eines Ehepaares, 1660, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1398
  • Nicolaes Maes, Bildnis eines Jungen als Adonis, gegen 1670, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 670
  • Jacob Gerritsz Cuyp, Bildnis eines jungen Mannes, Privatbesitz

RAUM 4

Geselschapjes

Als Geselschapjes versteht man Szenen aus dem Alltag in zeitgenössischem Ambiente. Genrebilder erzählen von eleganten Interieurs, heruntergekommenen Spelunken, betrunkenen Bauern, musizierenden Gesellschaften und Erlebnissen zu Pferd. Sie erzählen von Rechtschaffenheit genauso wie von hemmungslosem Verhalten. Vieles bedeutet mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Das „Belehren“ durch Bilder ist eine Konstante der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Ihre Funktion ist es, Maßstäbe für das Rechte und Unrechte, das Sittliche und Unsittliche, das Vernünftige und Törichte zu thematisieren.
Für die Menschen dieser Zeit gehörte die schöpferische Enträtselung, das spitzfindige Entschlüsseln von Anspielungen zur lustvollen Betrachtung eines Bildes.
Genremalerei gilt nach der Landschaftsmalerei als wichtigster und besonders charakteristischer Beitrag der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und wurde nirgendwo sonst in Europa in dieser thematischen und stilistischen Vielfalt gepflegt.

  • Abraham Bloemaert, Dudelsackpfeifer, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 530
  • Adriaen Brouwer, Der Geiz, Residenzgalerie Salzburg, Inv.Nr. 532
  • Adriaen Brouwer, Das Gefühl, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 533
  • Gabriel Metsu, Tabakraucher, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 541
  • Willem van Mieris, Eine Händlerin, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 445
  • Adriaen van Ostade, Dorfschenke mit vier Figuren, 1635, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 546
  • Adriaen van Ostade, Tabakraucher und Trinker in einer Schenke, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 547
  • Philips Wouwerman, Flämische Poststation, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 444
  • Philips Wouwerman, Rückkehr von der Jagd, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 558
  • Jan H. van Bijlert, Musizierende Gesellschaft, um 1629, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1517
  • Pieter Codde, Fröhliche Gesellschaft, um 1633, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1096
  • Philips Wouwerman, Reiterkampf vor einem Bauernhaus, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 835
  • Godefridus Schalcken, Galante Szene, Privatsammlung

STUDIO

Der wissenschaftliche Blick

Linsen und Spiegel gehörten jahrhundertelang zur üblichen Atelierausstattung. Was nicht bedeutet, dass alle Künstler optische Hilfsmittel verwendeten. Denn über ihren Einsatz gibt es kaum Aufzeichnungen.

Die Camera Obscura ist eine verdunkelte tragbare oder zeltartige Vorrichtung. Durch ein Loch, in das häufig eine Linse aus Glas eingesetzt wird, fällt auf die dafür vorgesehene Fläche ein „Abbild der Außenwelt“. Grundlage ist jenes optische Prinzip, wonach gebündelte Lichtstrahlen das gewünschte Motiv seitenverkehrt übertragen.
Eine gut funktionierende Camera Obscura lässt die Farbwerte intensiver erscheinen, steigert Hell-Dunkel-Kontraste und ermöglicht eine naturechte Perspektive.

Leonardo da Vinci brachte nach 1470 dieses Prinzip auf den Punkt: „Ein so kleiner Raum vermag die Bilder des ganzen Weltalls zu fassen … “ Im Verlauf des
17. Jahrhunderts entwickelte sich das Gerät zu einer „Sehenswürdigkeit“. Constantijn Huygens, Statthalter der Republik der Vereinigten Provinzen der nördlichen Niederlande, pflegte enge Kontakte zu den Künstlern seiner Zeit. Er brachte 1622 aus England eine Camera Obscura mit.

Optische Hilfsmittel wurden von der katholischen Kirche grundsätzlich abgelehnt.
Das protestantische Holland hingegen war der Nährboden für neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen. Hier herrschte weitgehende Lehr- und Forschungsfreiheit, die Wissenschaftler und Denker aus ganz Europa anzog.

RAUM 5

Landschapjes

In keiner anderen Epoche entstanden so viele Landschaftsbilder (Landschapjes) wie im „Goldenen Zeitalter“. Es war der Blick auf das eigene Land, das ständig bedroht war von den Spaniern und vor allem von Überschwemmungen. In einer einzigartigen nationalen Leistung wurden zwischen 1590 und 1640 dem Meer etwa 800.000 Hektar nutzbarer Boden abgerungen. Von künstlichen Wassergräben durchzogene Weideflächen und Windmühlen verliehen der holländischen Landschaft ihre besondere Form.
Ab 1600 entwickelte sich Haarlem zum Zentrum der Landschaftsmalerei.
Neu war das malerische Erfassen von schlichten Motiven. Nicht die topografisch genaue Wiedergabe wurde gefordert, sondern Naturnähe, Licht, Raum und Atmosphäre.
Der Großteil der Landschaftsbilder wurde für den offenen Kunstmarkt produziert. Für heimische Landschaften bezahlte man etwa zwei Gulden. Der Wochenlohn von Webergesellen lag bei sieben Gulden, so waren die beliebten Darstellungen selbst für die untere Mittelschicht kein unerreichbarer Luxusartikel.

  • Albert Cuyp, Weide mit Kühen und Hirten, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 534
  • Jan van Goyen, Bauernhöfe mit Heustock, 1632, Residenzgalerie Salzburg Inv. Nr. 427
  • Pieter de Molijn, Dünenlandschaft, Öl/Eichenholz, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 542
  • Paulus Potter, Viehaustrieb am Morgen, 1647, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 548
  • Jacob Isaacksz. van Ruisdael, Norwegische Landschaft mit Wasserfall, um 1665, Residenzgalerie Salzburg Inv. Nr. 425
  • Jacob Isaacksz. van Ruisdael, Landschaft mit Wasserfall, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 551
  • Allaert van Everdingen, Skandinavischer Wasserfall, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 823

Sehnsucht nach dem Süden

Rom und seine Umgebung waren ein wichtiges Ziel der Oltramontani, der Künstler aus dem Norden. Diese bildeten die Gemeinschaft der Schildersbent (Malerbande). Sie nannten sich Bentvueghels (Bandenvögel) und pflegten in Rom einen zweifelhaften Ruf. Auch Künstler flämischer, deutscher und skandinavischer Herkunft schlossen sich der Vereinigung an.
Das Interesse der niederländischen Maler galt nicht primär der römischen Antike. Vielmehr widmeten sie sich der italienischen Landschaft und dem Alltagsleben der Bevölkerung.
Die als Italianisanten bezeichneten Maler schufen eine neue Art der Landschaftsdarstellung. Deren wichtigstes Element war das Licht des Südens. Durch den Einfluss der in Rom lebenden Maler Claude Lorrain und Herman van Swanevelt wurde die Lichtstimmung, die „helle Manier“, zum eigentlichen Leitmotiv der italianisanten Landschaftsmalerei.
Ein beliebtes Thema war zudem die bambocciante (Genremalerei), benannt nach Pieter van Laer, der den Spottnamen Bamboccio (Lumpenpuppe) trug. Diese thematisierte das Leben des ärmlichen Volkes auf den Straßen und Plätzen Roms in einer für die holländischen Maler charakteristischen sachlichen Weise.

  • Bartholomeus Breenbergh, Wäscherinnen vor einer Höhle, nach 1622, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 585
  • Willem de Heusch, Landschaft mit Eseltreibern, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 539
  • Willem de Heusch, Landschaft mit Figuren, Diana und zwei Nymphen, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 538
  • Frederik de Moucheron, Waldesrand mit weitem Ausblick, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 543
  • Jan Asselijn, Bauern in einer Felsgrotte, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 764
  • Jan Asselijn, Küstenlandschaft mit rastenden Reitern, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 896
  • Jan Asselijn, Bettler vor einem römischen Kalkofen, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1511
  • Karel Dujardin, Italienische Landschaft mit Jagdgesellschaft und Anglern, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 827
  • Johannes Lingelbach, Volksleben auf der Piazza del Popolo in Rom, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 803
  • Hermann II Saftleven, Italienische Gebirgslandschaft, um 1645, Privatsammlung

RAUM 6

Zeegezicht

Marine- oder Seestücke entwickelten sich wie die Landschaftsdarstellung zu einem eigenständigen und gefragten Bildthema. Der Blick auf das Meer war das holländische Thema schlechthin.
Gegen 1650 besaß Holland die größte Handelsflotte der Welt. Allein die Kriegsflotte war doppelt so stark wie jene Englands und Frankreichs zusammen. Die Admiralität, städtische Magistrate und Handelskompanien bestellten Gemälde mit der Darstellung der holländischen Kriegs- und Handelsflotte in einem großen Hafen, in einer Schlacht oder auf See. Reeder, Kapitäne und Kaufleute, die ihr Geld im Export gemacht hatten, sammelten Marinebilder und schmückten damit ihre Kontore.
Zunehmend trat die Schilderung des Atmosphärischen in den Vordergrund. Nach und nach wurde die See selbst zum eigentlichen Thema. Die Darstellung von tiefem Horizont, hohem Wolkenhimmel, Licht und feuchtem Dunst geht wie in der Landschaftsmalerei einher mit der Reduzierung von Farbe und Gegenständen.

  • Jacob Isaacksz. van Ruisdael, Seesturm, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 550
  • Salomon van Ruysdael, Seelandschaft mit Segler rechts, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 552
  • Salomon van Ruysdael, Seelandschaft mit Segler links, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 532
  • Jan Asselijn und Jan Weenix, Seehafen mit hohem Turm, 1647–1649, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 761
  • Ludolf Backhuyzen, Seestück, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 794
  • Jan van Goyen, Marine: Segelboote auf der Schelde vor Fort Rammekens, um 1655, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 736
  • Reinier Nooms, Fregatte vor Anker, 1658, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1397
  • Wigerius Vitringa, Bewegte See, 1690, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 788
  • Wigerius Vitringa, Ruhige See, 1690, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 792
  • Simon de Vlieger, Ankernde Schiffe auf der Schelde vor Kasteel Rammekens, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 876

RAUM 7 UND 8

Stillleben. Ein Fest für die Augen

Der Begriff „Stillleben“ bezeichnet die Darstellung von reglosen Gegenständen – ungewohnte, neue ästhetische Erscheinungen für zeitgenössische Betrachter. Die virtuose malerische Ausführung betört die Sinne und macht die Oberflächen der Dinge fühlbar: den weichen Samt der Tischdecke, das kühle Silber der Gefäße, die pralle Haut der Weintrauben. Der leise Klang des zarten Glases ist regelrecht zu hören, Früchte und Delikatessen duften und lassen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Die akribisch genaue Wiedergabe der dargestellten Objekte zeugt von naturwissenschaftlichem Interesse. Bereits 1615 wurden in Holland die ersten Mikroskope verwendet. Der Austausch mit Gelehrten über bahnbrechende Entwicklungen der Optik war (nur) in Holland selbstverständlich. Die Mannigfaltigkeit der Dinge naer het leven (nach dem Leben) zu zeigen, wurde zur Grundvoraussetzung für die Maler, die perfekte Naturnachahmung – imitatio naturae –, die als das höchste Ziel der Kunst galt, zur großen Herausforderung.

  • Elias van den Broeck, Blumenstillleben Mohnpflanze mit Schmetterling, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 622
  • Cornelis de Heem, Stillleben mit Austern, Zitronen und Trauben, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 561
  • Jan Davidsz. de Heem, Stillleben, Frühstück mit Champagnerglas und Pfeife, 1642, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 562
  • Cornelis Lelienbergh, Stillleben mit toten Vögeln, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 594
  • Willem van Aelst, Stillleben mit Blumenvase und Taschenuhr, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 692
  • Willem van Aelst, Onbijtje: Frühstücksstillleben, 1671, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 733
  • Abraham van Beyeren, Stillleben mit Miesmuscheln, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1384
  • Jan Davidsz. de Heem, Prunkstillleben, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr.612
  • Jan Weenix, Toter Hase, 1690, Kunsthistorisches Museum Wien GG 575

RAUM 9

Nachtstukken

Nachtstücke sind Gemälde, die ein Geschehnis bei Nacht oder in einem künstlich erleuchteten Innenraum zeigen. Maßstäbe setzten zunächst Caravaggio und später Rembrandt sowie der Frankfurter Adam Elsheimer. Die effektvolle Darstellung künstlicher Lichtquellen wie Kerze, Fackel und Feuersbrunst, bekannt seit der Zeit um 1530, wurde in der holländischen Malerei nach 1650 zu einer geschätzten maltechnischen Herausforderung. Die Wiedergabe geheimnisvoller, bedrohlicher oder unheimlicher Dunkelheit setzt sehr genaue Beobachtung voraus – sowohl beim Maler als auch beim Betrachter. Die besondere Atmosphäre der Nachtstücke diente der jeweiligen Bildaussage. Dennoch stand nicht das Thema im Vordergrund. Der Reiz dieser Bilder liegt in der malerischen Gestaltung.

  • Leonaert Bramer, Soldaten bei Nacht, Residenzgalerie Salzburg, Inv.Nr. 531
  • Gerrit Dou, Spielgesellschaft bei Kerzenlicht, Residenzgalerie Salzburg, Inv.Nr. 535
  • Georg Gillis Haanen, Fassbinderwerkstätte, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 244
  • Gerrit van Honthorst, Junger Trinker, um 1625, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 540
  • Aert van der Neer, Brennende Stadt, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 544
  • Godefridus Schalcken, Der Tabulettkrämer, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 1379

RAUM 10

Architektur

Das Architekturbild des 17. Jahrhunderts wird fast vollständig von holländischen Künstlern beherrscht.
Ausschlaggebend waren die Stadterweiterungen in der ersten Hälfte des
17. Jahrhunderts und der Einfluss des Antwerpener Hans Vredeman de Vries (1527 – um 1606). Seine Traktate zur Perspektive sowie Studien von fantastischen Architekturanlagen dienten der nachfolgenden Künstlergeneration als Grundlagen.
Diese spezialisierte sich in der Motivwahl auf Außen- und Innenansichten, Sakral- und Profanbauten oder reale und fantastische Anlagen. Unzählige Innenraumdarstellungen von Gotteshäusern belegen die Beliebtheit des „Holländischen Kircheninterieurs“.
Emanuel de Witte verdeutlicht die Bedeutung der Nieuwe Kerk in Delft als holländische Gedenkstätte. Im Mittelschiff der schlichten Kirche befindet sich das Prunkgrabmal von Wilhelm I. von Oranien (1533–1584). Er war die Symbolfigur des niederländischen Freiheitskampfes gegen die Spanier und somit einer der bedeutendsten Gründer der Republik.
Die holländische Stadtansicht erlebte mit Gerrit Adriaensz. Berckheyde in den 1660er und 1670er Jahren ihren Höhepunkt. Seine Veduten mit dem neuen Rathaus von Amsterdam fanden bei der wohlhabenden Bürgerschaft reißenden Absatz. Der 1640 beschlossene Bau eines neuen Rathauses sollte das größte und wichtigste Bauwerk des „Goldenen Zeitalters“ werden: ein republikanischer Staatspalast.

  • Gerrit Adriensz. Berckheyde, Der Binnenhof mit dem Schlossweiher in Den Haag, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 529
  • Emanuel de Witte, Innenansicht der Nieuwe Kerk in Delft, 1664, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 557
  • Dirk van Deelen, Musizierende Gesellschaft in einem Renaissance-Palast, Residenzgalerie Salzburg Inv.Nr. 432
  • Gerrit A. Berckheyde, Der Rathausplatz in Amsterdam, 1680, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 384
  • Hendrick van Vliet, Predigt in der Oude Kerk in Delft, um 1660, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Inv.Nr. 685

Tour de Baroque

Zeitgleich mit den „Goldenen Zeiten“ ist im Nordoratorium des Salzburger Doms die Ausstellung „Von Bernini bis Rubens. Römischer Barock aus der Sammlung Rossacher“ zu sehen.

Das DomQuartier Salzburg präsentiert damit zwei Sonderschauen, die das Kernthema des Hauses, den Barock, aufgreifen. Sie sind thematisch verbunden und treten miteinander in einen reizvollen Dialog.

Der Gang durch die Residenzgalerie über die Dombogenterrasse in das Nordoratorium des Salzburger Doms wird so zu einer spannenden Expedition durch die Barockzeit mit ihren vielfältigen Facetten, Ausdrucksformen, Traditionen, aber auch Unterschieden: Auf der einen Seite die katholisch geprägte Kunst mit Klerus und Adel als Auftraggeber, auf der anderen Seite die protestantischen nördlichen Niederlande mit ihrer republikanischen Staatsform. Hier schufen die Künstler für ein erstarkendes Bürgertum und einen sich etablierenden Kunstmarkt ‒ eine einzigartige Konstellation, die die Bildsprache und die Funktion der Kunst verändern sollte.

„Von Bernini bis Rubens. Römischer Barock aus der Sammlung Rossacher“
bis 6. April 2020, Nordoratorium des Salzburger Doms
In Kooperation mit dem Salzburg Museum