2002 – Tulpen


Katalog zur Ausstellung Tulpen – Schönheit & Wahn: 22.03.2002 – 30.06.2002

Glorios war der Einzug der wildwachsenden Blume aus dem zentralasiatischen Gebirge in die europäischen Gärten vor knapp 450 Jahren. Ihr frühes Erblühen im noch kalten Frühjahr und ihre farbige Leuchtkraft faszinierten die Nordeuropäer.Entscheidend an ihrem Erscheinen in der Frühlingswelt des Abendlandes des 16. Jh.s war die Vermittlerrolle der botanisch äußerst interessierten Habsburger. Deren Gesandte brachten die kostbaren Tulpen-Zwiebeln aus Istanbul als „tulipa turcarum“ (Tulpe der Türken) an den Wiener und Lissaboner Hof.In den Niederlanden des frühen 17. Jh.s begründete die Begeisterung für diese Blume einen bis in die Gegenwart erfolgreichen Wirtschaftszweig. Hier druckte E. Sweerts den ersten, mit Kupferstichen ausgestatteten Vorläufer eines Versandkataloges für die Bestellung von Tulpenzwiebeln. Hier wurden die teure Tulpe und ihre Zwiebel zum riskanten Spekulationsobjekt. Man wettete auf Farbe und Form und spekulierte mit dem Gewicht der Zwiebel. Der Börsencrash von 1636/37 zog den Bankrott einiger Züchter, Händler und Spekulanten nach sich, doch erholte sich der Markt bald wieder auf recht hohem Niveau. Dieser „Tulpenwahn“ ging als Tulpomanie in die Börsensprache ein.Maler bannten die vielfältige Schönheit der Tulpe auf Holz, Leinwand, Pergament oder Porzellan und vereinten sie in Stillleben mit Blumen verschiedener Blütezeiten. Einem breiteren Publikum, das sich die teuren Gemälde nicht leisten konnte, wurde die Tulpe über Einzeldrucke und Bücher – illustrierte Lexika und Inventare vorgestellt. Drei Bereiche aus dem facettenreichen Spektrum zur Geschichte der Tulpe präsentiert der Katalog der Residenzgalerie: den besonderen Stellenwert der Tulpe im Osmanischen Reich, die Wertschätzung der Pflanze sowohl in den Niederlanden im 17. Jh., als auch in der Biedermeier-Blumenmalerei am Wiener Hof in der 1. Hälfte des 19. Jh.s.Bei den über 50 ausgestellten Leihgaben des 16. – 19. Jh.s handelt es sich um selten oder nie gezeigte Kostbarkeiten aus den großen Wiener Sammlungen, ergänzt durch Werke aus dem Kunsthandel.Raritäten türkischer Textilkunst und Keramik sind ebenso vertreten wie prachtvoll gemalte niederländische Blumenstilleben des 17. Jh.s, von Jan van den Hecke, Jacob Marrel und Rachel Ruysch. Ergänzt wird der Bereich des 17. Jh.s durch exquisite Aquarelle und Tulpendarstellungen auf Pergament. Das Blumen-Dessertservice für Kaiser Franz I., aus dessen Serie die Tulpenteller zu sehen sind, stellt einen Höhepunkt der Porzellanmalerei in Wien dar. Das hohe Niveau der Pflanzendarstellungen in der Wiener Biedermeiermalerei wird an zum Teil noch nie gezeigten Aquarellen ebenso veranschaulicht, wie in Gemälden von Joseph Nigg oder Franz Xaver Petter.

AutorInnen:
– Peter M. Garber: Was war der Tulpenwahn? – Sabine Grabner: Blumen und Früchte in der Wiener Biedermeiermalerei
– Rainald Franz: „Türckisch Papier“ – „Marmorpapier“ – Buntpapier; Blumenmalerei als Dekormotiv für die k.k. Wiener Porzellanmanufaktur
– Ursula Härting: Ein virtuoses Gewächs als Kabinettstück
– Ingrid Haslinger: Dessertteller mit Blumen für den Wiener Kaiserhof
– Roswitha Juffinger: Einleitung
– Matthias Pfaffenbichler: Eine Feldflasche aus Persien
– Angela Völker: Osmanische Seiden und Samte
– Johannes Wieninger: Tulpenmode am Osmanischen Hof

  • Herausgeber: Roswitha Juffinger
  • Verlag: Residenzgalerie Salzburg
  • Erscheinungsort: Salzburg
  • Erscheinungsjahr: 2002
  • Sprache: Deutsch
  • Seitenzahl: 60
  • Farbabbildungen: 41
  • Schwarzweißabbildungen: 2
  • Buchgröße: H 21 x B 21 cm


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